Kapitel 1: Der Anfang

Die Schlacht tobte in vollem Umfang. Dicker, schwarzer Rauch hing über der Stadt, unaufhörlich gespeist von den unzähligen Bränden, welche die einst prächtige Stadt seit Tagen Stück für Stück verzehrten. Sturmwind war das Juwel der Allianz, welches nun aufgrund einer Schlacht fast gänzlich in Schutt und Asche lag, die das Unvermeidliche nur herauszögern konnte. Einen Sieg gegen diesen übermächtigen Gegner, dass hatten sie schon vor Beginn der Schlacht gewusst, konnten sie nicht erringen. Sie würden ihre Haut in diesem aussichtslosen Gemetzel so teuer wie möglich verkaufen und damit vielleicht das eine oder andere Leben der flüchtenden Massen retten. Aber sie machten sich nichts vor, auch diese würden irgendwann gefunden, getötet oder versklavt werden.

Sie hatten sich in den letzten intakten Teil der Stadt, den Inneren Ring der Burg, ihre letzte Bastion, zurückgezogen und bereiteten sich darauf vor dem Feind ein letztes Mal gegenüberzutreten. Es würde nicht lange dauern, sie alle waren verletzt und erschöpft. Aber fest entschlossen bis zum Letzten zu kämpfen, bis zum letzten Schwerthieb, dem letzten Zauber, dem letzten Schuss, dem letzten Atemzug Widerstand zu leisten. Der Lärm der Belagerungsmaschinen, die ohne Pause das schon stark mitgenommene Tor des inneren Rings bearbeiteten, war eine Symphonie des Schreckens deren Crescendo kurz vor dem Höhepunkt war. Das Tor explodierte in einer Wolke aus Rauch, Feuer und Splittern, als die Belagerungsmaschinen es schlussendlich weit über seine Toleranzen belastet hatten. Es war ein Wunder, dass es überhaupt so lange standgehalten hatte. Nun ergoss sich der Feind durch die entstandene Öffnung. Sie verließen ihre Deckung, die sie vor dem tödlichen Splitterregen geschützt hatte und stürmten dem Feind entgegen. „FÜR DIE ALLIANZ!!!!!“ hallte es aus ihren Kehlen während die ersten von ihnen auf den Gegner trafen. Einen winzigen Augenblick lang schien ihr Ruf alles andere zu übertönen, bevor er abrupt endete und dem Klang von aufeinandertreffenden Klingen, splitternden Schilden und dem Gurgeln aus aufgeschlitzten Kehlen wich.

Als die Wogen der Feinde gerade über ihnen zusammenzuschlagen drohten, passierte etwas, das sich keiner von ihnen erklären konnte. Die Bewegungen der Gegner schienen einzufrieren. NEIN, sie begannen sich fast unmerklich rückwärts zu bewegen. Gleichzeitig merkten sie, dass jeder von ihnen von einer warmen, leuchtenden Aura umgeben war. Im selben Maße wie sich die Feinde scheinbar immer schneller rückwärts bewegten, begann die Aura immer heller zu leuchten. Schließlich strahlte sie so grell, dass sie nichts mehr sahen, außer einem gleißenden Lichtermeer, das jedem von ihnen die Sinne raubte…

Fröhliches Vogelgezwitscher drang an seine Ohren und eine leichte Brise streifte sein Gesicht. Seine Hände fühlten saftiges Gras. Er musste auf dem Boden liegen. Er schreckte hoch. Das war doch nicht möglich, er war doch eben noch mitten in der Schlacht. Kurz davor vom Feind überrannt und getötet zu werden. Das ist es… Er war tot. Es konnte keine andere Erklärung geben. Vorsichtig öffnete er die Augen und sah sich um, nachdem sich seine Augen an das Licht eines wunderschönen Tages gewöhnt hatten. Er war alleine, nur von Bäumen mit prachtvollen Kronen, Vögeln, die ihr Lied sangen, und einigen anderen Tieren umgeben. Nachdem er aufgestanden war und einige Schritte getan hatte, fühlte er es zum ersten Mal. Dieses Gefühl der Geborgenheit und Gemeinschaft. Als ob er gleichzeitig alleine und doch in der Gesellschaft seiner Kameraden war. Mit jedem Schritt, den er tat, wurde das Gefühl intensiver und er glaubte, er können die Stimmen seiner Freunde wahrnehmen. Aber noch waren sie undeutlich und nicht zu verstehen.

Nachdem er eine Weile gegangen war, tat sich der Wald vor ihm auf und er blieb wie angewurzelt stehen. Vor ihm erhob sich Sturmwind. In all seiner Pracht stand es vor ihm. Mit seinen starken Mauern, den Statuen gefallener Helden und dem von Wachen flankierten, riesigen Tor. Er sank auf die Knie und Tränen flossen seine Wangen herab. Er war völlig überwältigt von seinen Gefühlen. Doch dann meldete sich sein Verstand und fing an Fragen zu stellen. Wie kann das sein? Wie kommt er hier hin und wo sind seine Kameraden? Außerdem fielen ihm Veränderungen an der Stadt auf. Es war zwar Sturmwind, aber nicht das Sturmwind, wie er es kannte… Er wandelte durch die Straßen und ihm wurde klar, dass dieses Sturmwind in seinen Ausmaßen deutlich kleiner war. Auch gab es keinen Hafen und keine Botschaft neben der Burg. Es war das Sturmwind, das er aus den Geschichtsbüchern kannte. Er versuchte noch all dies zu verarbeiten und zu verstehen, als sich die Stimmen in seinem Kopf wieder meldeten. Dieses Mal waren sie klar und deutlich. Es waren die Stimmen seiner Kameraden. Und scheinbar konnten sie ihn auch hören, denn als er sich im Geiste fragte wo sie wohl seien, verstummten die Stimmen kurz, nur um dann einzeln und geordnet zu antworten: Teldrasil… Elwynn… Teldrasil… Eisenschmiede… Elwynn… Sie waren alle da!!!

Und plötzlich begriff er: Es war, als hätte ihm jemand oder etwas die Lösung für ein Rätsel verraten, welches er schon seit Ewigkeiten verzweifelt versuchte zu lösen. Aus für ihn unerklärlichen Gründen hatten sie eine zweite Chance erhalten. Er würde seine Getreuen suchen und um sich scharen. Diesmal würden sie besser vorbereitet sein, noch härter kämpfen und nicht zurückweichen um das Schicksal zu ändern. Dieses Mal würde die Letzte Bastion nicht fallen…

— Uriens
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